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Die Wütenden

Der Film über die Menschen die in den  Vororten von Paris leben, gemacht von dem Regisseur Ladj Ly, selbst aufgewachsen in dem Viertel, der hängt einem noch nach. Polizei und Kriminelle,  vernachlässigte Kids, alle mit einen Migrationshintergrund gefangen in einem System aus Drogen, Bestechung und Gewalt. Der Film verschönt nichts und das Ende ist offen. Die Aufstände mit brennenden Autos 2005, das war groß in den Medien, ich war erschrocken. Aber was kommt danach? Wir hören oder lesen nichts mehr in den Medien, ab und an eine kleine Meldung. Die Proteste der Gelbwesten überall in Frankreich die gegen die Ungerechtigkeit kämpfen. Und du denkst, ja die tun was, da tut sich was (hoffst du). Warum ist in  Deutschland so wenig los? Geht's uns noch zu gut um auf die Straße zu gehen? Ab und an sehe ich eine Demo, aber die ist so klein und erreicht kaum Menschen, wenn sie auf einen Sonntag, an dem die Geschäfte geschlossen sind, durch die Straße ziehen. Ich frage mich, wie lange es noch gut geht. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander und das spürbar. Die Mieten steigen und sind auf dem freiem Markt nur noch finanzierbar wenn du so wenig verdienst, dass du ein Anspruch auf einen § 5 Schein hast oder du wirklich gut verdienst. Ich und meine Freunde die mit ihrem Gehalt dazwischen liegen haben kaum eine Chance, falls wir mehr wollen, als wir jetzt haben. Ich schreibe aber immer noch von einem hohen Niveau und ich kann mich nicht beklagen mit unserer Wohnung, zum Glück sind wir in einer Genossenschaftswohnung mit einer wirklich moderaten Miete. Aber zurück zum Film und zu den Menschen die an den Rand gedrängt werden, kaum eine Chance haben da rauszukommen aus der Spirale. Der Film erinnert mich stark an das Buch und den darauf basierenden Film "The Hate u give". Ein Mädchen das in zwei Welten lebt in den USA. Einmal in ihrem schwarzen Viertel, regiert von einem Drogenboss und zum anderen in der Schule die sie besucht im "besseren" Viertel, das Viertel der Weißen. Die Geschichte fängt mit einem Polizisten, der ihren besten Freund aus Kindheitstagen bei einer Verkehrskontrolle erschießt, als die Beiden von einer Party auf dem Weg nach Hause sind. Das können wir uns gar nicht vorstellen, das Mädchen und ihre Geschwister haben von dem Vater genaue Verhaltensregeln auferlegt bekommen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie von der Polizei angehalten werden. Und der Junge traut sich bei der Verkehrskontrolle auszusteigen um zur Beifahrerseite zu gehen, wo sie sitzt um zu fragen wie es ihr geht, will seine Haarbürste aus dem Seitenfach holen und der Polizist ist so nervös und denkt der Junge zieht eine Pistole und erschießt ihn! Eine interne Ermittlung gegen den Polizisten wird eingeleitet und es wird geprüft ob er vor ein Gericht kommt. In den Medien wird er als "Opfer" dargestellt. Es kommt zu keiner Anklage! Auch hier wird deutlich dass der Fokus nicht auf dem Einzelnen liegt, sondern das System in dem die Menschen dort leben. Sie sollen gar keine Chance auf ein besseres Leben. Lieber soll Geld in die Kassen fließen durch Drogenhandel, die Polizisten korrupt (darüber gibt es ja nun wirklich genügend Filme) und lasst doch die Menschen ihre Probleme untereinander lösen. Und wenn es doch hochploppt, sind alle schockiert oh weh! Ich kann verstehen wenn die Menschen wütend sind. Ihr auch?