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Die Rassismus-Debatte

 

Gestern lief die Sendung I’m not your negro auf arte. Schwer beeindruckt hat mich James Baldwin, der Zusammenhänge zum Thema Rassismus in den USA und die Menschen an sich sehr gut durchblickte und in klarer Sprache seine Thesen äußern konnte. Die Gesichter M.L. King und Malcom X sind bekannt. Aber Baldwin ist mir  bisher entgangen. Aber nun gut, ich habe mich bisher auch nicht intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Die gängigen Reportagen kenn ich, viele Filme über das Thema habe ich gesehen und ich habe das Buch The hate u give gelesen (u. den Film dazu gesehen, kann ich übrigens Beides empfehlen). Aber den Blickwinkel den Baldwin aufgezeigt hat, den kannte ich noch nicht. Und das war zu Zeiten der Rassenkonflikte in den 60ern und doch ist es hochaktuell neben den Themen Corona und Klimawandel. Es ist in den Medien und den sozialen Medien überall zu finden und ich finde das sehr gut. Wo doch die Rechten erstarken, weil unter anderem Typen an der Macht sind, oder gewisse Partei Einzug erhalten hat in den Bundestag, die eigentlich in die Steinzeit zurück katapultiert werden müssten.

 

Themen wie Rassismus regen an  über sich selbst, über die eigene Erfahrungen und die eigene Haltung nachzudenken. Und ich bin der Meinung, dass wir nicht, nur aus Bequemlichkeit und weil wir es als anstrengend empfinden, die Augen davor verschließen sollten. Zu keiner Zeit, denn ich denke, das Rassismus, so lange es diesen auf der Welt gibt, auch immer auf der Welt geben wird, leider.

 

Als Kind haben wir in der Kinderturnstunde das Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzem Mann“ gespielt, wir haben uns keine Gedanken gemacht was da hinter steht. Wohl aber wurde mir beigebracht, dass man zum Schokokuss nicht Negerkuss sagt und auch das die Hautfarbe eines Menschen keine Rolle spielt, wurde mir früh beigebracht. Zudem bin ich in einem Stadtteil von Hamburg aufgewachsen, der von Haus aus sehr Multikulti ist und offen gegenüber den Menschen, egal wo diese herkommen ist. Für Rechts ist da wenig Platz. Zumindest habe ich dies so wahrgenommen, solange ich dort gewohnt habe. Und wenn sich jemand rassistisch geäußert hat, dann nur sehr leise. Es ist auch schon einleuchtend, dass Fremdenhass mit Unkenntnis, Angst vorm Unbekannten mit einhergeht und das Schlimme daran, grade ja in den USA, das System dahinter steckt. Diese jahrhundertlange Entwicklung und wie tief die Rollen in den Menschen stecken seit Kolonialzeiten. Wer bin ich, dass ich mich über einen Menschen stelle? Wer bin ich,  einen Menschen auf Grund seiner Hautfarbe zu verurteilen? Mir fällt keine Antwort ein! Ich finde es eher befremdlich wenn z. B. jemand fragt, du hast schon ein Hang zu Ausländern oder?  Ähm, nein! Ich suche doch nicht speziell jemanden aus, weil ich auf das „Exotische“ stehe. Nein, ich lerne den Menschen kennen und mir ist egal woher der Mensch stammt. Ich behaupte nicht, dass meine Freunde rassistisch sind. Aber auffällig ist, dass keiner von Ihnen mit einem „ Ausländer“ zusammen ist und auch niemanden kennenlernt mit Migrationshintergrund. Hier kann man sicher mal nachfragen, gibt es Vorbehalte? Und wenn ja, warum? Aber wie bereits bekannt, ist es schwer in der bunten Blubberblase, in der wir schweben, über schwere Themen zu diskutieren. Schwierig wird es auch, wenn man mit einem „versteckten“ Rechten diskutiert, der behauptet kein Nazi zu sein, in gleichem Atemzug aber sagt, stolz auf sein Land und seine Herkunft zu sein, und dass Deutschland den Deutschen gehört. Autsch, meine Ohren tun immer noch weh! Ich bewundere Menschen, die gegen diese Ungerechtigkeiten, gegen Diskriminierung, gegen diese Gewalt die Anderen angetan wird, einstehen und kämpfen. Ich finde, dann ist das Mindeste das man selbst tun kann, sich auch dagegen stark zu machen und anderen die Stirn zu bieten, die sich rassistisch äußern. Und ich möchte hier eine Lanze für meine Eltern brechen, die aus mir einen offenen, vorbehaltslosen und nicht fremdelnden Menschen gemacht haben. Ach ja, und sie lieben Ghani, meinen exotisch marokkanischen Freund ;)