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Overload

 

Ich sitze im Büro und höre den Möwen beim Kreischen zu und warte auf die große Aufgabe. Meine Gedanken fangen an zu kreisen und zwar wortwörtlich im Kreis und es gibt keine Ausfahrt, geschweige eine Einfahrt für neue Gedanken. Und dies ist ein ziemlich desolater Zustand, dies entspricht keiner Kreativphase und führt zu einer Unzufriedenheit. Nun frage ich mich, liegt das an zu wenig Input oder liegt das an einem überladenen Input? Tatsächlich vermute ich Zweites. Dank der Entwicklung von den Geschehnissen im World Wide Web, die es ja nun wirklich jeden Hans und Franz und jeder Sabine und Mareike erlaubt deren Leben dort darzustellen und Produkte zu bewerben. Und ja auch ich bin Konsumentin und tappe häufig in die Konsumentenfalle! Öfter freiwillig und leider oft auch unfreiwillig, weil es mich in diesen Sog zieht, irgendwelchen Leuten beim Labern zuzuhören. Na, im Fernsehen läuft doch eh nur bescheidenes Programm, es sei denn du studierst am Anfang der Woche das TV-Magazin und bist deine eigene Programmdirektorin. Aber das würde zu viel des Guten sein, ich hab dann doch noch andere schöne Dinge vor. Ich schaue zwar schon gewählt Fernsehen, aber wenn die Sendung vorbei ist, ist oft meine Schlafenszeit nicht erreicht und was ist schneller als der Griff zum Handy, das eh immer griffbereit in unserer Nähe ist? Und dann sind diese Youtube-Videos ja sooo schön kurzweilig und zack! hab ich  fünf oder mehr Videos hintereinander geglotzt und denke mir, klüger bin ich nun auch nicht geworden, kennste alles schon. Das liegt wohl daran, dass ich eine Generation weiter bin als viele YoutuberInnen und viele Sachen die zum Leben dazugehören, bereits durchexerziert habe.  Aber selbst meine Mutter ist inzwischen dazu übergangen sich Youtube-Videos anzuschauen oder Mediatheken zu besuchen von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern! Und ich werde aber im selben Atemzug für meine Internetaktivität verteufelt. Auch sehr kurios. Sollte ich nochmal bei Gelegenheit ansprechen. Sehr interessant fand ich, was Frau Bode in ihrem Buch „Älter werden ist sexy, man stöhnt mehr“ geschrieben hat: Wie man Autorin wird? 1 % Talent und 99% die Fähigkeit sich nicht vom Internet ablenken zu lassen. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Denn neben der Unterhaltung, die ich konsumiere möchte ich auch produktiv sein. Und das geht nur, wenn ich Ideen habe. Aber wenn mir alles vorgekaut wird, brauche ich auch keine Ideen mehr haben. Weiß Gott, ich möchte keine Autorin werden, dazu fühle ich mich nicht berufen. Den Blog neben meiner Website schreibe ich, weil ich vieles aus meinem Kopf loswerden möchte. Daran kann jede/r teilhaben, falls er meine Seite entdeckt, das muss aber nicht sein. Ich trachte nicht nach „fame“. Ich habe einfach Lust darauf meine eigene Spielwiese zu haben und die nach Lust und Laune zu füllen. Mein Einstieg bei Instagram und vermehrter Konsum bei Youtube ist so spät erfolgt, nachdem ich vor einigen Jahren bei Facebook ausgestiegen bin (Facebook scheint auch nicht mehr up to date zu sein), das ich den Anschluss an die sozialen Medien verpasst habe. Und ich stelle mir nun die Frage, hab ich wirklich was verpasst, was wirklich Wichtiges? Beschäftigen sich die Jüngeren schneller mit aktuellen Themen und verzögert bringen es auch die Älteren Medienleute auf die Mattscheibe oder ist es andersherum? Es verhält sich zum Glück so, dass ich meinen Konsum von sozialen Medien selbst steuern kann (juhu, ich bin demnach nicht süchtig) und mir die Leute und Formate raussuche, die mir Spaß machen und keine Hypes nachlaufen muss, für die ich eh zu alt bin oder vielleicht über die Weisheit verfüge, dass dies nicht nötig ist. Zeitweise ist es nicht verkehrt auszuschalten, abzuschalten damit ich losgelöst bin von den  Erzählungen der Geschehnissen, die sich am Ende wiederholen, nur in verschiedenen Formaten mit verschiedenen Persönlichkeiten und Luft und Freiraum haben zu können, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.